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Sonntag, 14. Dezember 2014, 21:48

2. September , Cacabelos

Erfreulicherweise bin ich heute schon um 5 Uhr aus dem Bett gefallen. Ich mag eigentlich das lange schlafen genauso sehr wie das frühe aufstehen, wobei ich das frühe aufstehen auf dem Camino noch einen Tick schöner finde. Das gibt einem so ein Gefühl von Einsamkeit. Beim loslaufen erkenne ich das mein Zimmergefährte von letzter Nacht ein Typ ist den ich noch aus Pamplona kenne. Während ich allein in den morgen stolpere denke ich darüber nach wie sich 2 Menschen die sich vor 3 Wochen 1 mal gesehen haben sich nach 600 km wieder treffen können.
Wie auch immer ... meine tägliche geistige und körperliche Bestandsaufnahme verläuft diesen morgen wieder ziemlich gut. Ich war zwar die ersten 300 km absolut beschwerdefrei aber die anschließenden 300 plagte mich so manches Zipperlein. Jetzt aber fühle ich das es mir körperlich jeden Tag besser geht. Die Probleme mit den Knien sind ganz verschwunden und die 2 vorhandenen Blasen am rechten Fuß sind so weit ins Unterbewusstsein gedrängt das sie keine Rolle mehr spielen. Ich laufe vor mich hin und bin einfach nur froh hier zu sein als ich rechts von mir ein gehauchtes "Buenos Dias" vernehme das ich mit einem "Guten Weg" auf Spanisch ( Buen Camino ) quittiere. Aus den Augenwinkeln nehme ich wahr wie eine Gestalt in kurzen Hosen an mir vorbei zieht. Ich denke noch bei mir " Holla , die ist ja mal süß" als sie schon an der nächsten Biegung verschwindet und mein Sichtfeld verlässt. Als ich kurz danach Villafranca del Bierzo erreiche und mich mit einem unbekannten Deutschen durch die Ortschaft schlage(man erkennt Deutsche wirklich an ihren Klamotten ( Jack Wolfskin ) ohne auch nur einen Ton zu sagen/hören) sehe ich die Süße wieder während sie sich mit einer einheimischen unterhält. Als sie meiner gewahr wird dreht sie sich zu mir um und fragt mich unvermittelt auf englisch, ob ich mit ihr den Camino Duro laufen möchte. Eigentlich hatte ich genau DAS nicht vor aber völlig verdattert wie ich bin willige ich ein. Eben kurz zur Erklärung ... der normale Jakobsweg würde sich entlang einer Autobahn durch ein paar Täler schlängeln, während der Camino Duro ( auf deutsch : harter weg ) sich über eine Gebirgskette zieht. Wie auch immer, ich bin so verdutzt das ich einwillige und ich mich nur ein paar Meter später auf einem steilen Gebirgspfad wieder finde, wobei der eigentliche Jakobsweg langsam unter mir entschwindet. Obwohl ich es echt nicht vorhatte diese Etappe zu gehen und auch wenn er im Gegensatz zum normalen Weg etliche Höhenmeter unterschied sind bin ich doch recht bald froh das ich genau hier bin. Der reguläre Camino schlängelt sich entlang der Autobahn eben durch die Talkessel während wir gut und gern 150 Höhenmeter darüber sind.
Der Camino Duro auf dem wir uns befinden ist eigentlich DIE empfohlene Nebenroute, auch wenn wir allein sind. Das wir besteht aus Jette aus Dänemark ( der Süßen der ich folge ) und aus Rainer ( der mir folgt ) .
Hier mal ein Blick vom Camino Duro hinunter zum regulären Wegverlauf den Hape Kerkeling so gut in seinem Buch beschrieben hat.

Bild siehe unten

Mehr oder weniger aus den gleichen Motiven beschließen wir den restlichen Tag gemeinsam zu verbringen. Während wir so dem Pfad folgen wird mir der sprachliche unterschied wieder bewusst ... zB kann Rainer englisch weigert sich aber es zu sprechen und Jette gesteht das sie auch Deutsch verstehen kann aber es nicht sprechen möchte.
Nach einem halben Tag mit den beiden komm ich mir vor wie im Kindergarten... alles was ich zu Rainer auf Deutsch sage übersetze ich für sie auf englisch und alles was ich zu ihr auf englisch sage übersetze ich ins deutsche für ihn, obwohl sich die beiden auch so verständigen könnten. Wie auch immer, das sprechen tut mir ganz gut, auch wenn olle Rainer nicht ganz rund läuft. Ich versteh mich mit der Dänin ziemlich gut, auch wenn sie etwas älter ist.
Nachdem es schon Nachmittag wurde vereinten sich die beiden Wege wieder und führten entlang der Autobahn und erst jetzt wird mir richtig bewusst was ich für ein Glück mit der Nebenroute hatte. Ich mag mir kaum vorstellen wie es ist bei diesem Lärm und Gestank zu laufen.
Nachdem wir auch dieses monotone Stück entlang der Schnellstraße hinter uns lassen erreichen wir die Ortschaft Veya de Valcarce.
Eigentlich wollte ich ja noch weiter aber Jette und Rainer bestanden darauf das sie und auch ich hier bleibe sollten. Zwar hatte ich mit meinen neuen Freunden aus Österreich etwas anderes ausgemacht aber ich lies mich trotzdem breitschlagen. Und in Anbetracht dieser einmaligen Herberge war das sicherlich die bessere Wahl .
Wer immer vor hat den Camino Francés zu laufen sollte unbedingt an dieser Herberge innehalten. Die " Inoffizielle Kulturvertretung Brasiliens auf dem Jakobsweg " ( wie sich selbst nennen ) punktet zwar nicht mit Luxus und Bequemlichkeit aber dafür mit ganz viel Flair , Leidenschaft und Gastfreundschaft.

An diesem Tag gelaufen 26,6 km
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22

Montag, 15. Dezember 2014, 18:41

3. September , Veya de Valcarce

Jette und Rainer sind mir bereits weit voraus als ich heute morgen die Herberge verlasse. Wir wollten zwar gemeinsam losziehen aber ich hatte heute früh etwas Probleme mit dem Magen und bin deshalb etwas später dran. Nun gut die Probleme sind hausgemacht da das essen gestern in der Herberge so gut war das ich 3 Portionen verschlungen habe und sich das heute früh bitter rächt ^^.
Während ich in den Sonnenaufgang hineinlaufe mache ich mir etwas sorgen angesichts der heutigen Route. Laut meinem Reiseführer erwartet mich die steilste Etappe meiner bisherigen Wanderung. Während sich in meinem Kopf alles um Höhenmeter, Magenschmerzen und Knieprobleme dreht bemerke ich in der ferne 2 Menschen die an einer Kreuzung stehen . Wie es sich beim näherkommen herausstellte handelte es sich um Jette und Rainer die teils auf mich gewartet und teils unschlüssig über den weiteren Wegverlauf waren. Links ginge es nämlich den Landschaftlich schönen weg der allerdings nur für sehr geübte Wanderer ist und geradeaus ginge es entlang einer Straße leichter Bergauf.
Nachdem ich mich bereits als Pilgerextremist geoutet habe kommen wir darüber in Einklang das wir den schweren aber dafür schönen Weg gehen wollen.
Nachdem es 3 stunden ständig bergauf geht erreichen wir endlich einen der bedeutungsvollsten Orte dieser Reise, nämlich den Grenzstein zu Galicien. Grund genug für ein kleines Gruppenphoto .

Bild siehe unten


Nachdem wir alle unsere Bilder geknipst haben und wir uns weiter Richtung Gipfel begeben wird mir klar das es ab jetzt unweigerlich dem ende zugeht. Während ich so die restliche strecken bis zum ziel zusammenrechne wird mir klar das es maximal nur noch 140 km sein können bis Santiago. Etwas amüsiert stelle ich fest wie sehr sich doch mein Blickwinkel verändert hat im laufe dieser Reise. Mir würde es niemals einfallen in Deutschland 140 km zu latschen aber hier denke ich "NUR noch" 140 km.
Mit diesen Gedanken in meinem Kopf erreichen wir nach weiteren 2 stunden den Gipfel und unser erstes Galicisches Dorf.
Leider möchte Jette etwas kürzer treten und beschließt hier heute Nacht zu bleiben während Rainer und ich nach einer herzlichen Verabschiedung weiter unseres Weges ziehen. Aber nach nur 2 weiteren stunden sind wir so erledigt das wir die nächst Herberge ansteuern. Nach dem obligatorischen Wäsche waschen setze ich mich mit einem kühlen Bierchen zu einer Gruppe Deutschen von denen ich einige schon vom sehen her kenne. Ein junges Mädchen erzählt das sie vor 2 Tagen in einer Herberge geschlafen hat in der es Bettwanzen gab und die ihren Freund gestochen haben. Teils machen sich die anderen darüber lustig und teils schweigen sie betroffen den wir alle haben schon schlimme Gerüchte über Bettwanzen gehört aber noch keiner von uns hat damit bis jetzt Erfahrungen gemacht.
Ich persönlich bin der Meinung das sie etwas übertreibt und verlasse das Grüppchen um auf Nahrungssuche zu gehen.
Nach einem sehr guten aber auch sehr teuren Abendessen in einer Bar beschließe ich heute ohne Umschweife ins Bett zu gehen.

An diesem Tag gelaufen 25,3 km
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23

Dienstag, 16. Dezember 2014, 00:13

4. September , Fonfria

Noch während ich langsam aufwache merke ich das irgendetwas nicht stimmt.
Nein, irgendwas stimmt ganz entschieden nicht und mit einem schlag bin ich hellwach. Während ich mit geschlossenen Augen aufrecht im Bett sitze und in meinen Körper hineinhorche, wo den das Problem liegen mag bemerke ich ein leichtes Jucken. Ich traue mich kaum hin zu fassen als ich meine Haut untersuche aber da sind so kleine Hügelchen und die Jucken. Wie ein geölter Blitz verschwinde ich im Bad und betrachte mich im Spiegel. Mir stockte der Atem als ich den Grund für das jucken sah . Ich bin am Ganzen Körper übersät mit kleinen Hügelchen von denen sich jeder einzelne anfühlte wie ein Mückenstich.
Fieberhaft überlege ich was das sein könnte und komme zu 2 möglichen Ergebnissen. Entweder eine Allergische Reaktion auf irgendetwas oder aber ein psychisches Problem auf die Geschichte von den Bettwanzen gestern die sich so in meinen Kopf eingebrannt haben das ich jetzt ähnliche Symptome zeige.
Gut, letzteres mag sich beim lesen merkwürdig anhören aber in dem Augenblick erschien mir das durchaus plausibel.
Während alle anderen die Herberge verlassen überlege ich angestrengt was den jetzt zu tun sei. Das einzige was mir einfällt ist meine Reiseapotheke nach etwas zu durchsuchen was vielleicht helfen könnte.
Leider bin ich auf ein solches Problem nicht vorbereitet und so kann ich nur meinen Rest Voltaren Schmerzgel mit etwas Nivea Creme mischen und die stellen notdürftig versorgen. Als Krönenden Abschluss werfe ich mir meine beiden letzten Schmerztabletten ein. Es tut zwar nicht weh aber es juckt wie Sau und vielleicht helfen sie ja auch dagegen.
Nachdem ich mich so behelfsmäßig versorgt habe versuchte ich mich etwas zu beruhigen und überlegte was den jetzt zu tun sei. Ich dachte kurz daran dem Herbergsleiter Bescheid zu sagen entschied mich augenblicklich aber dagegen, weil es erstens an meiner Situation nichts geändert hätte und zweiten ich die Befürchtung hatte beschuldigt zu werden irgendwelche Insekten eingeschleppt zu haben.
Plötzlich viel mir ein das der Freund des Mädchens , das die Geschichte von gestern erzählt hat , auch solche Probleme haben soll und ich beschloss ihn nach seiner Meinung zu fragen. Allerdings hatten meine Überlegungen so lange gedauert das ich mittlerweile allein in der Unterkunft war. Ich packte also schnell meine Sachen zusammen und begab mich unverzüglich auf den Camino fest entschlossen ihn noch ein zu holen. In einem Affenzahn laufe ich nun bergab und überholte immer mehr und mehr Leute die ich gestern gesehen habe. Als ich einen älteren Pilger aus Passau erblicke frage ich ihn was er davon hält. Seiner Meinung nach ist es eine Allergie. Auf meine frage hin, ob es sich vielleicht um Wanzenstiche handeln könnten verneint er dies. Angeblich müssten die einen roten Punkt in der Mitte haben. Etwas beruhigt setze ich meinen weg fort, zwar nicht mehr so schnell aber immer noch ziemlich zügig. Eigentlich schade, den um jeden Meter den ich laufe wird die Landschaft schöner aber mir bleibt keine Wahl, den was immer es ist, ich brauch auf jedenfalls Hilfe. In einer Rekordzeit erreiche ich die nächst größere Stadt ohne dem Pärchen zu Begegnen . Auf einer Parkbank überlege ich mir was ich tun könnte als sie dann glücklicherweise doch noch auftauchen. Nach einem kurzem Gespräch mit ihm wird schnell klar das es sich anscheinend doch um Bettwanzen handelt .
Mit dieser Erkenntnis werde ich dann aber auch schon alleine gelassen man hat ja schließlich besseres zu tun als mir zu helfen ... wie gesagt ... Deutsche im Ausland :-( .
Unschlüssig was jetzt zu tun sei setze ich mich wieder auf die Parkbank und ziehe meinen Reiseführer zu rate. Er sagt mir das es in dieser Stadt eine Herberge gibt die über Waschmaschine, Trockner und Internet verfügt und ich entschließe mich sofort dort zu übernachten, obwohl sie mit 10 € die teuerste bisher ist. Nach dem einchecken setze ich mich sofort an den Rechner und Google mal was den Bettwanzen überhaupt sind und werde bei Wikipedia : http://de.wikipedia.org/wiki/Bettwanze und anderen Seiten fündig.
Ich entscheide meine Kompletten Habseligkeiten mit der Maschine zu waschen und anschließend im Wäschetrockner zu trocknen. Laut meinen Informationen soll das zwar nicht unbedingt helfen aber ich denke mir das es dadurch auch kaum schlechter werden kann. Während die zweite Ladung in der Waschmaschine und die erste im Trockner ist, zog ich los um mir in einer Apotheke Hilfe zu suchen.
Glücklicherweise fand ich sehr bald eine ... allerdings antwortete der Apotheker auf meine frage, ob er den Englisch spricht mit einem geschmetterten: NO .
Mich beschleicht ein leichtes Gefühl von einem Déjà-vu da ich ja vor kurzem schon mal in ner Apotheke war . Der darauf folgende Dialog könnte ein außenstehender als lustig einstufen aber selbst im Nachhinein ist es mir zu blöd um ihn wieder zu geben. Wie auch immer, nachdem ich lange genug mit den Händen herumgefuchtelt habe bekam ich alles was ich wollte. Ironischerweise hätte ich mir meine Erklärung bei den Schmerztabletten und dem Voltaren sparen können, wenn ich einfach die Packung auf den Tisch geknallt hätte, denn zu meinen großen erstaunen heißt Voltaren und Dolormin genauso auch in Spanien .... naja , Hauptsache ich mach mich mal in der Apotheke zum Affen.
Wie auch immer, den restlichen Tag habe ich damit verbracht den Rest meiner Wäsche zu waschen und meine Wunden zu lecken.

An diesem Tag gelaufen 29 km

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Mittwoch, 17. Dezember 2014, 23:07

5. September , Sarria

Meine Intensivmedizinische Versorgung zeigt heute morgen erste Wirkung denn es juckt dank der Medis nicht mehr so sehr. Ich bin gestern Abend noch mit einem Kugelschreiber auf dem Klo verschwunden und hab mal durchgezählt ... ich hab vom linken Mittelfinger bis zur Schulter des linken Arms 86 Stiche/Bisse. Und das auch nur da. Am restlichen Körper kann ich es nur schätzen aber ich denke es sind irgendwo um die 300 + von denen jeder einzelne Stich/Biss juckt wie Sau.
Wie auch immer, ich bin mal wieder der letzte der aus der Herberge kommt und sich auf dem weg begibt.
Doch kaum bin ich wieder auf dem Camino merke ich das irgendetwas anders ist als sonst. Ich lauf ganze 2 Stunden durch die Landschaft bis ich es begreife was los ist. Es sind vielmehr Menschen da als üblich. Und ich mein nicht nur ein bisschen mehr, sondern ganz entschieden mehr. Das was ich eigentlich sonst den ganzen Tag über an Pilgern sehe begegnen mir jetzt innerhalb von 5 Minuten.
Ein kurzer blick in meine Pilgerbibel verrät mir das ich jetzt sehr nahe an dem Punkt bin, wo die letzten 100 km beginnen und das jeder der die letzten 100 km nach Santiago pilgert die Compostela ( Urkunde über die erfolgreiche Pilgerreise ) bekommt.
Ich bin jetzt seid gut 650 km unterwegs aber das, was sich mir auf dieser Etappe nach Santiago bietet, stößt mich ab. Auch sehe ich die Abscheu in den Gesichtern meiner Mitpilger die von jeh her schon dabei sind und die diese Menschenmassen mit ihrer bloßen Anwesenheit beleidigen. Schlimm genug das sie überhaupt da sind aber sie belästigen uns, wo sie nur können. z.B. dieses übertriebene Gelaufe in Gruppen die man kaum ungeschoren überholen kann oder das man alle paar Meter einen sitzen sieht mit Blasen. Ja ok , wir alle haben Blasen und die sind wirklich schmerzhaft, aber wenn man deren Schuhe sieht möchte man am liebsten .... ?=%$§"/)% ( zensiert )

Ich passiere heute Nachmittag den 100 km Stein und musste mich anstellen um dieses Photo zu bekommen :

Bild siehe unten

Von hier aus sind es also nur noch 100 km bis zum 3te wichtigsten Wallfahrtsort des Christentums und ich wünsche mir das alle Schwachmaten die meine innere Ruhe stören Tot umfallen mögen. Kein sehr Christlicher Gedanke , ich weiß . Und man kann jetzt argumentieren das dass ja auch nur Menschen und die können ja nix dafür und blablablablabla . Aber echt , die ruhe die ich jetzt nach 600 km langsam finde wird durch diese Horden an Menschen einfach ausgelöscht.
Ab hier habe ich zu gleichen Teilen Glück und Pech. Glück deswegen weil die
" LETZTEN 100 " wie ich die Wochenendpilger nenne leicht zu berechnen sind und Pech von dem her das jetzt alle 500 Meter so ein blöder Stein steht an dem die Entfernung nach Santiago angegeben ist.
Wie auch immer, laut der empfohlenen Tagesetappe anhand der Einteilung aus dem Pilgerbüro in Saint Jean endet der heutige Tag nach 22 km in einer Ortschaft namens Portomarin. Spaßes halber folge ich der Menschenmasse zu ihrem Bestimmungsort, der hiesigen Herberge. Allein beim Anblick wie sich alle anstellen um einen Schlafplatz zu ergattern bin ich so abgestoßen das ich um jeden Preis weiter möchte.
Laut meinem Buch ist die nächste Herberge 10 km entfernt aber das nehme ich angesichts dieser Herde gerne in kauf.
Während ich so weiterlaufe bemerke ich das viele, die ich schon seid langem kenne, die gleiche Idee haben wie ich ^^.
Heute übernachte ich in einem traumhaft schönen alten Bauernhof der speziell dafür umgebaut wurde. Dadurch das er zwischen den eigentlichen Etappen liegt ist er so gut wie nicht besucht und ich habe alle Freiheiten mich breit zu machen.
Das heutige Abendessen nehme ich zufällig mit einem Pärchen ein das in Zwiesel wohnt aber aus Sachsen stammt. Ich mache mich ein wenig über diese Konstellation lustig und verbringe einen sehr schönen Abend mit ihnen. Allerdings sind sie Vertreter der "LETZTEN 100 " und rein nur hinter der Urkunde her. Wir können uns zwar sehr gut über belanglose dinge unterhalten, aber so bald es um die Spirituelle Erfahrung geht werden wir uns fremd. Nichts desto trotz war es ein sehr schöner Abend mit den beiden.

An diesem Tag gelaufen 35,4 km
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Samstag, 20. Dezember 2014, 05:33

6.September , Gonzar

Ich erwache heute mit einer Laune die ich nur als fröhlich/ausgelassen schildern kann. Nachdem ich meine Habseligkeiten zusammen gepackt und die übliche Frühstückscola gesoffen habe begebe ich mich auf dem Weg. Da ich gestern noch ein Stück weiter bergauf gelaufen bin kann ich heute über den Nebel wandern der sich heute Morgen bildet. Aber das ist echt der Wahnsinn ... von da, wo ich stehe sieht der Nebel aus wie ein einziges großes Meer:

siehe Unten

Ich bin so froh das ich Gestern noch weiter gelaufen bin, nicht im Traum mag ich es mir vorstellen wie es sich etwa da unten in der Suppe läuft.
Während ich so dahin wandere schließe ich zu jemanden auf den ich bereits kenne. Ich habe endlich olle Florian eingeholt der mit dem Michael unterwegs war ( siehe 27. August ) . Laut seiner Aussage hatte es Michael etwas eilig und hat ihn stehen lassen. Nicht gerade überraschend wie ich finde .... Nachdem wir einen paar stunden gemeinsam gemeistert haben trennen wir uns auch schon wieder bzw. ich mich von ihm.
Heute gelingen mir so viele Photos wie noch nie Bisher...
hier zB einen Typischen Streckenabschnitt in Galicien :


siehe Unten

oder DAS typische Bild auf dem Jakobsweg an sich :

siehe Unten

Nachdem es mittlerweile bereits Nachmittag wurde und die Sonne immer heiser vom Himmel brannte entschied ich mich in der nächsten Ortschaft zu übernachten.

An diesem Tag gelaufen 33 km
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Samstag, 20. Dezember 2014, 17:01

7. September , Melide

Ich habe heute Morgen einen guten Start in den Tag und verlasse als erster die Unterkunft. Mein Tatendrang wird aber jäh gebremst denn ich verlaufe mich mal wieder. Das ist eines der Probleme, wenn man als erster unterwegs ist ... man hat niemanden dem man folgen kann.
Zum Glück komme ich an einer Tankstelle vorbei, wo ich nach dem weg frage. Zu meinem großen Glück bin ich parallel zum Camino gelaufen und so ist es nicht ganz so schlimm.
Nachdem ich den Pfad wieder gefunden habe lasse ich die Ortschaft hinter mir und tauche wieder ein in die wunderschöne Galicische Landschaft.
Zum Glück funktioniert mein Plan zwischen den Etappen zu laufen Sodas nicht all zu viele von den "Letzten 100" meinen weg kreuzen.
Auch mein Problem mit den Wanzenstichen wird jeden Tag besser. Es juckt zwar nach wie vor schlimm aber das kann man in den Hintergrund drängen.
So gegen Mittag komme ich an einer Bar vorbei auf dessen Schild steht ( wörtlich )
Die Zwei Teutschen.( und darunter )
Wir spreken Teutsch
Das ist so auffällig das ich einen Blick auf die Karte werfen muss. Bei Gott die führen Erdinger Weizen . Noch bevor ich weiss wie mir geschieht steh ich schon an der Theke und greif dem Barkeeper am Kragen. Ich zieh seinem Kopf mit meinen fäusten zu meinem Gesicht und stammle mit meinen ausgetrockneten Lippen nur ein Wort : Colaweizen. Leider ist mein Wunsch kaum mehr als ein krächzen zu vernehmen und ich wiederhole ihn nochmals . Diesmal speie ich dem Barkeeper meinem Wunsch richtig ins Gesicht : COLAWEIZEN. Der gute Mann nickt nur verständnisvoll und begibt sich an seine Arbeit um mir mein Getränk zu mixen. Bei Gott nach dieser endlossen Parade an Radlerhalben die ich mir selbst mischen musste bekomme ich mein erstes Colaweizen ohne erklären zu müssen was das ist. Voller zuversicht das meine Bestellung in guten händen ist habe ich den Barkeeper aus den Augen gelassen und statt dessen die Einrichtung der Spelunke bewundert. Das war ein Fehler. Da hatt doch der vollpfosten von einem Barkeeper zuerst das Cola eingeschenkt und dann das Weizen . Aber zumindest wurde es in einem Weizenglas serviert. Ich sehe das Trauerspiel , schließe die Augen und kippe den Müll in einem Zug in mich hinein. Der Mensch hinter der Bar betrachtet mich erstaunt während ich das tue. Nachdem dieses unwürdige gesöff in meinem Magen ist stehe ich auf und begebe mich zum erstaunen des Spanjokels hinter die Bar und mixe nach etwas suche in den Kühlschränken ein richtiges Colaweizen. Erst Weizen dann Cola. Ich präsentiere ihm das ergebniß und deute aufs Glas . Ich gestikuliere bei der unteren Hälfte Weizen und bei der oberen Cola. Ich glaube soweit hat es der Spanier noch verstanden aber als mein Blick auf eine Flasche Kirschlikör viel und ich das auch noch in einem guten teil beigefügt hatte wars vorbei. Was a Colaweizen ist hat er ja noch kapiert aber mit meiner Goaßhalbe war er dann doch übervordert ( http://de.wikipedia.org/wiki/Goa%C3%9F )
Das einzige was mir an diesem Tag noch auf das Gemüt schlägt sind die Kilometersteine die die Entfernung nach Santiago angeben und die alle 500 Meter stehen. Ich meine es macht mir nicht viel aus einen ganzen Tag zu laufen um am Abend eine Distanz X gegangen zu sein aber mit den Steinen zählt man ganz unwillkürlich mit. Ganz unterbewusst addiert man jeden Stein und denkt sich ...mein Gott bin ich langsam. Das geht etwas auf die nerven aber ich lenke mich etwas davon ab weil ich heute an einem ganz besonderen Kilometerstein vorbei komme und ich mir schon ausmale wie ich das zelebrieren werde.
Nach einer schier endlosen Parade von Steinen ist es endlich so weit und ich stehe vor ihm :

Bild siehe Unten

Zur Erklärung : Dieser Spezielle Stein steht laut meinen Berechnungen genau 700 km von meinem Startpunkt im Pamplona entfernt. Ein unbeschreibliches Gefühl von Stolz und Freude erfüllt mich während ich den Stein photographiere und mir von vorbeiziehenden Pilgern gratuliert wird.
Nachdem ich meine Sachen wieder zusammengepackt habe und den Stein ein letztes mal umarmte begebe ich mich weiter Richtung Santiago das von hier aus ja nur noch 29,5 km entfernt ist.
Jeder Schritt den ich Richtung Ziel mache macht mich ein Stück trauriger, denn egal was passiert, morgen wird meine Reise enden.
Während ich so trübsinnig weiterlaufe entscheide ich mich den alten Pilgerbrauch zu folgen und zum Atlantik zu Wandern so kann ich noch 3 Tage länger abschied nehmen von meiner Pilgerreise.
Da es vor Santiago nur noch 2 Herbergen gibt und die 2te mir zu weit ist muss ich heute leider in einer riesigen Herberge übernachten. Nachdem ich mir ein Bett reserviert hatte und meine Klamotten gewaschen habe beschloss ich in der nächst besten Bar einen drauf zu machen.
Zufällig traf ich den einen Typen aus Niederbayern wieder der mit seiner Gruppe an einem Tisch saß. Nachdem ich mich dazu setzte und mit ihnen einiges Trank musste ich leider feststellen das ich es mit seltsamen Menschen zu tun hatte und so beschloss ich heute früh ins Bett zu gehen.
Vor der Unterkunft sah ich allerdings eine Frau die an eine Art Karren angespannt war. Da sie sich auf Deutsch mit jemanden unterhielt hörte ich etwas zu, bevor ich mich selbst ins Gespräch einmischte. Sie sagte ihr Name wäre Klarissa, sie wäre 42 und aus Österreich. Auf meine frage, warum sie denn die Handkarre bei sich hätte erzählte sie mir das sie schon seit 11 Monaten unterwegs ist und sich jetzt auf dem Weg nach Hause befindet. Natürlich genauso wie sie hergekommen ist, nämlich zu Fuß. Die gute Frau hat die komplette Iberische Halbinsel zu Fuß umrundet. Nach einem kurzen sprachlosen Moment meinerseits kommen wir ins Gespräch und unterhalten uns recht interessant. Schon Wahnsinn was sie alles zu erzählen hat. Spontan bitte ich sie mit mir ein Photo zu machen.



Nachdem es leider schon ziemlich spät geworden ist und uns der Hospilero auffordert endlich schlafen zu gehen trennten wir uns. Schade, ich hätte mich gerne noch weiter mit ihr unterhalten.

An diesem Tag gelaufen 34,3 km
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Sonntag, 21. Dezember 2014, 20:42

8. September , Pedrouzo

Die Nacht ist heute früher zu ende als sonst üblich. Ich höre bereits um 4 Uhr wie die ersten Pilger ihre Habseligkeiten zusammen suchen und sich leise in die Nacht davon stehlen. Kaum eine 1/2 Std. später bin auch ich auf den Beinen, weil jetzt das ganze Kollektiv aufbricht. Ich schenke mir heute früh die morgendliche Toilette und breche als einer der ersten auf. Leider bringt mir das aber nicht viel, weil ich mich im Dunkeln verlaufe und erst nach 15 Minuten des umherirren auf eine Gruppe mit Taschenlampen treffe denen ich mich sofort anschließe. Heute Morgen ist es anders als all die anderen morgen zuvor, denn heute gehen wir die letzten schritte des Caminos. Auch wenn ich die Sprache der Gruppe nicht verstehe so weiß ich doch worum es sich in diesen wenigen, kargen Worten dreht. Santiago,
Santiago
immer wieder Santiago.
Ganz egal, woher man kommt oder woran man glaubt aber diese letzten Meter fühlt man sich im Einklang mit allen Menschen und im Einklang mit allem um sich herum. Man kann es sogar körperlich fühlen ... Santiago,Santiago,Santiago
Mit Einbruch der Dämmerung kann ich mich endlich von der Gruppe absetzen da ich ihr Licht nicht länger benötige. Es ist seltsam, aber obwohl ich jetzt so nahe daran bin laufe ich noch relativ allein. Wieder genieße ich es den morgen für mich selbst zu haben und frage leise in mich hinein was den morgen sein möge. Ich kann es mir gar nicht vorstellen wie es ist nicht mehr zu laufen und so bin ich froh das ich mich gestern entschlossen habe ans Kap weiter zu gehen. Allerdings habe ich heute nicht die zeit mir groß Gedanken zu machen denn zum ersten mal seit ich in Spanien bin habe ich Stress. Ich will heute um 12 Uhr die Pilgermesse in der Kathedrale erleben und möchte mir DAVOR meine Urkunde im Pilgerbüro abholen. Zwar hätte ich so viel zu denken und die reise zu reflektieren aber ich muss meine ganze Aufmerksamkeit dem weg schenken. Immer der nächste schritt im Auge und die Uhr im Genick hetze ich durch die Galicische Landschaft.
Je weiter ich komme um so mehr Menschen sehe ich auf dem weg. Langsam kann man nicht mehr von einzelnen Pilgern sprechen, sondern von einer durchgängigen Prozession. Während ich an den Leuten vorbeiziehe frage ich mich, wo die auf einmal alle herkommen denn ich erkenne in der Masse kein bekanntes Gesicht. Egal, das ist nicht wichtig ... ich muss weiter, immer weiter.
Nachdem ich seit meinem Aufbruch heute Morgen 5 Std. gerannt bin erreiche ich endlich den Monte de Gozo. Von diesem Hügel aus kann man zum ersten mal die Türme der Kathedrale von Santiago de Compostella sehen und wird daher auch von je her Berg der Freude genannt. An dieser stelle steht eine Kapelle und ein gut besuchter Kiosk an dem ein ziemlich großer andrang herrscht. Ich stelle mich in die Schlange vor dem Kiosk, kaufe mir eine Cola und begebe mich hinter die Kapelle um meinen Plan zu verwirklichen den ich schon seit meinem Aufbruch hege, nämlich unter meiner schönen Weis-Blauen Fahne nach Santiago ein zu ziehen.
Denn blicken der Masse entzogen baute ich aus meinen Trekkingstöcken einen Improvisierten Fahnenmast und befestige ihn mit Leukoplast an meinem Rucksack. Nachdem ich mich so vorbereitet habe trete ich wieder hinter der Kapelle vor die Öffentlichkeit, wo dieses erste Photo entstand

Bild siehe unten

Jetzt habe ich es geschafft. Ich bin jetzt kein normaler Pilger mehr, sondern ein unübersehbarer Blickfang. Und genau so komme ich mir vor. Zufälligerweise ist gerade in dem Augenblick der Typ aus Niederbayern zugegen der unbedingt ein Photo möchte .... ohne mich aber mit Fahne. Ich bin so übermütig das ich ihn gewähren lasse.
Ich habe es geschafft . Ich stehe auf dem Monte do Gozo und habe tatsächlich unsere Bayrische Fahne am Rucksack befestigt. Voller stolz nehme ich die letzten 4,7 km in Angriff.
Die letzten Meter nach Santiago merke ich zunehmend die Blicke der anderen Leute auf mir. Ich bitte den Typen aus Niederbayern in meiner nähe zu bleiben damit mich einer darauf aufmerksam macht, falls sich die Fahne verhudeln sollte. Alsbald merke ich aber das er etwas zurückbleibt. Scheinbar bin ich ihm etwas peinlich aber mir ist das egal.
ICH BIN STOLZ und das kann mir nichts und niemand versauen.
Während ich so die Randgebiete von Santiago durchstreife merke ich wie ich aus vorbeifahrende Autos photographiert werde. So einen Pilger wie mich scheint man nicht oft zu sehen. Die Spanier die mir auf dem Gehsteig begegnen können mit unseren Farben rein gar nichts anfangen und fragen mich, ob das die Fahne des Kosovos sei. Ich versuche es zwar zu erklären mit den Schlagwörtern: München, Bayern und Oktoberfest aber erst als ich BMW sage sehe ich ein leises verstehen in ihren Augen.
Wie auch immer, so bald ich die Hauptstraße verlassen habe und in der Fußgängerzone bin kann ich mich kaum retten vor ersuchen mich mit irgendwem abbilden zu lassen.
Man kann es kaum glauben aber ich schätze mich haben mehr als 30 verschiedene Leuten gefragt, ob sie ein Photo von sich und mir machen dürfen.
Eines der meist gefragtesten war dieses hier:

Bild siehe unten

Zwar bin ich jetzt allein aber genau an dieser stelle und in dieser Posse musste ich für über 70 % der Photos mit verschiedenen Menschen posieren. Scheiße, ich komm mir vor wie ein Star ;-) .
Von hier aus finde ich den weg relativ einfach, weil jeder der mich sieht mir automatisch den weg weist. Nach nur 15 Minuten erreiche ich die Kathedrale und kurz darauf das Pilgerbüro. Zum Glück bin ich heute so früh aufgebrochen so bekomme ich meine Urkunde noch weit vor der Pilgermesse, obwohl der Mitarbeiter nicht wusste wie mein Name im Latein lautet. Zur Erklärung ... jeder Pilger bekommt eine Urkunde mit seinem Namen darauf, wobei der Vorname in Latein geschrieben wird und ich dachte die Lateinische Version von Stefan wäre Stephanus dabei ist sie anscheinend Stephanum.
Wie auch immer ..... ich bin am Ziel meiner Träume, habe meine Urkunde und begebe mich noch rechtzeitig genug in die Kathedrale um einen guten Sitzplatz zu bekommen und ..
und..
und..
werde enttäuscht.
Eigentlich habe ich gedacht das genau an diesem Ort der spirituelle Abschluss meines Abenteuers ist aber dem ist leider nicht so. Ich war 1 Std. vor beginn der Messe schon da und hab mir einen guten platz ausgesucht aber je näher die Messe rückte desto unwürdiger wurde es. Den absoluten Vogel hat eine Englischsprachige Reisegruppe abgeschossen die genau während der Messe eine Führung in der Kirche hatten. Ich kann mich noch ganz genau an den roten Regenschirm der Reiseleiterin erinnern.... hätte ich genau in diesem Augenblick eine Waffe gehabt wären nur 10 % lebend aus der Kirche gekommen. Aber was will man machen?
Ich versuche meine Ruhe zu finden was mir allerdings nur schwer gelingt. Nachdem Besuchs des Sarkophags mit den Überresten des Apostels Jakobus verließ ich die Kirche, unschlüssig darüber wie es heute weitergehen sollte. Eigentlich hatte ich ja vor direkt im Anschluss der Messe weiter zu wandern aber dafür war es mir dann doch schon zu spät und außerdem wollte ich etwas durch die Stadt streifen und etwas von der Atmosphäre in mich aufnehmen. Zum ersten mal seitdem ich in Spanien bin werde ich nicht in einer Herberge übernachten, sondern in einem Zimmer das mir ein älterer Mann angeboten hat. Zuerst war ich zwar etwas skeptisch als er mich auf der Straße angesprochen hat aber dieses Zimmer erwies sich als richtiger Glücksgriff da es direkt in der Innenstadt lag und ich die Wohnung nur mit 2 anderen Pilgern teilen muss. Der einzige Wermutstropfen ist, dass es leider nur kaltes Wasser gibt aber was will man den für 15 Euro den noch alles erwarten. Da ich jetzt zum ersten mal seit langem Privatsphäre habe möchte ich jetzt in aller ruhe nachsehen wie schlimm sich die bisherigen gelaufenen km auf meine Füße ausgewirkt haben. Ich hatte ja ab der Mitte der Strecke etwas Probleme mit Blasen und habe sie damals mit Blasenpflaster und Leukoplast ab geklebt und dann das ganze bewusst ignoriert. Aber jetzt ist es, soweit nach 2 Wochen will ich endlich sehen wie es den nun unter dem Pflaster ist. Die große Zehe sah ja noch ganz manierlich aus aber als ich die kleine sah wäre mir fast schlecht geworden. Ich will jetzt nicht näher ins Detail gehen aber ich hab kurzzeitig gedacht das sie nicht mehr zu retten sei sowie die aussah. Aber zum Glück war sie wenigstens schmerzfrei und getreu meinem Motto ( wenn es nicht weh tut, ignoriere es ) mass ich dem einen nicht all zu hohen Stellenwert bei. Nach dem Duschen und der Wäsche mache ich mich jedenfalls auf um die City zu erkunden. Nach ein paar Meter stehe ich unvermittelt vor einem Burger King und mache mir bei dem Anblick fast ins Hemd. Noch bevor ich weiß wie mir geschieht stehe ich bereits am Tresen und bestelle auf Geratewohl irgendwas. Wahnsinn wie Fastfood schmecken kann, wenn man seit knapp 4 Wochen nichts mehr vernünftiges gefressen hat ;-) .
Nachdem ich mich so gestärkt hatte setzte ich meine Besichtigung fort und verbrachte einen schönen Nachmittag mit Sightseeing als ich plötzlich dem Florian in die Hände lief. Eigentlich wollte ich noch weiter die Stadt erkunden aber seinen Vorschlag einen Trinken zu gehen konnte ich dann doch nicht Wiederstehen. Schon komisch, eigentlich mochte ich ihn von Anfang an nicht besonders aber nachdem wir ein paar Bierchen miteinander gezischt haben verstand ich mich immer besser mit ihm. Es kann aber auch daran liegen das uns dieser Ort in eine etwas gelöstere Stimmung versetzt. Am ende des Abends sind wir auf jedenfalls beste Kumpel wie das Photo beweist.




An diesem Tag gelaufen 21,1 km
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Sonntag, 21. Dezember 2014, 20:45

9. September , Santiago de Compostela

Meine erste Nacht in einem Richtigen Bett verlief sowie ich es mir vorgestellt hatte nämlich ruhig und friedlich. Und obwohl mich niemand weckt und ich eigentlich ausschlafen könnte bin ich bereits um 5 Uhr wieder auf den Beinen den in meinem Reiseführer steht das es auf der Etappe ans Meer nur wenige Herbergen gibt und das man schon früh aufbrechen sollte um einen Platz zum Pennen zu ergattern. Während ich durch den kalten, nebligen morgen laufe werde ich mit jeden schritt missmutiger und grantiger. Keine Ahnung was mit mir los ist aber kurz nachdem Santiago hinter mir liegt bin ich drauf und dran alles hin zu werfen. Ich hatte zwar schon vorher ab und an leichte Tiefs, vor allem am Anfang des Weges, aber im Gegensatz dazu ist es ein bodenloser Abgrund. Ich bin froh das ich allein laufe so muss wenigstens kein anderer meine miese Laune ertragen. Nachdem ich mich schon zu weit von der Stadt entfernt habe um einfach um zu drehen will ich mir eine Bushaltestelle suchen und zurück fahren. Ich hab in diesem Moment von dem ganzen Gelaufe einfach die Schnauze restlos voll. Ich durchquerte ein kleines Wäldchen und dachte bei mir das es nicht mehr schlimmer werden könnte als mich zu allen Überfluss noch ein Hund attackierte. Zum Glück hat er nur die Hose erwischt und ich konnte einen weiteren Angriff mit meinen Stöcken abwehren aber jetzt bin ich völlig fertig. Am liebsten würde ich mich an den Wegesrand setzen und einfach nur noch heulen.
Nachdem ich mich nach einigen Augenblicken wieder etwas unter Kontrolle hatte stand mein Entschluss fest das es jetzt genug für mich ist und das ich aufgebe. Ich wollte nur noch an der nächst besten Bushaltestelle zurück nach Santiago. Knapp 30 Minuten später erreichte ich endlich eine und setzte mich auf den Boden. Während ich so auf den Bus wartete lies ich mir den bisherigen Tag durch den Kopf gehen um zu ergründen was den eigentlich mit mir los sei. Leider ohne Erfolg. Mir fällt einfach kein Grund ein, warum ich in dieser trübseligen Stimmung bin und werde durch diese Unwissenheit richtig wütend auf mich. Ich werde so sauer auf mich das ich beschließe weiter zu laufen nur um mir selbst eins aus zu wischen.
Im Nachhinein betrachtet bin ich mir sicher, wenn mir auch nur ein guter oder halb guter Grund eingefallen wäre hätte ich es wirklich sein lassen aber so konnte ich zornig auf mich werden und Zorn ist ein echt guter Treibstoff.
Überraschenderweise besserte sich ab diesen Zeitpunkt meine Laune wieder und schon zu mittags war es ganz überstanden. Allerdings beschäftige ich mich den ganzen restlichen Tag damit wie ich in ein solches Wechselbad der Gefühle kommen konnte. Allerdings wiederum ohne Erfolg
Hape Kerkerling hat in seinem Buch (Ich bin dann mal weg) geschrieben das der weg jeden einmal soweit hat das man am liebsten heulen möchte.
Ich entscheide das mir das als Grund völlig ausreicht und hinterfrage meine Gemütslage nicht länger. Am frühen Nachmittag erreiche ich die erste Ortschaft in der ich übernachten könnte aber ich entschließe mich den Tag zu nutzen und zur nächsten zu laufen.
Während ich durch die schönen hügeligen Wälder streife wird mir bewusst das ich den ganzen Tag über fast keine Pilger gesehen habe. Anscheinend wollen sich nur noch wenige diese extra Strapaze antun was mir aber direkt zu gute kommt denn so kann ich diese stille gänzlich in mich aufsaugen.
Nach 2 Std. komme ich in das Dorf in dem ich Heute übernachten werde. Allerdings ist das Wort Dorf etwas zu hochgestochen für diese Ansammlung von Häusern entlang einer Landstraße.
Wieder einmal muss ich mir selbst ins Gedächtnis rufen das, dass hier ja kein Luxusurlaub ist und das etwas Demut mir ganz gut zu Gesicht stehen würde. So gerüffelt begebe ich mich also auf die suche nach der Herberge die laut Reiseführer in einer alten Schule untergebracht sein soll.
Da es ja nicht viele Häuser gab hatte ich es recht schnell gefunden allerdings erlebte ich beim betreten eine echte Überraschung. Ich der erste!!! Das war mir bis jetzt noch nie passiert das ich als erster irgendwo war. Allerdings dachte ich mir das, dass ja eigentlich auch nur eher eine Notunterkunft ist und vielleicht deshalb nicht gerne angesteuert wird. Wie auch immer, ich hoffe das ich der einzige bleibe damit ich ein paar Matten aufeinander legen kann damit es heute Nacht nicht so kalt und hart wird.
Da hinten rechts hab ich mein Lager aufgeschlagen.

Bild siehe unten

Nachdem ich wie jeden Tag geduscht und Wäsche gemacht habe bemerkte ich das ich mittlerweile einen Stubenkameraden bekommen habe. Walter heißt er und ist irgendwo aus dem Saarland. Da wir beide Hunger haben beschließen wir gemeinsam essen zu gehen. Als ich mir zum Futter ein Bierchen bestellte merkte ich schon das der alte Knabe nicht ganz rund läuft da er mich unaufgefordert über die Konsequenzen von übermäßigen Alkoholkonsums aufklärte. Er gehört anscheinend zu dem schlag Menschen die alles wissen und ihre Meinung auch unaufgefordert kundtun. Außerdem ist er, glaube ich, ein leichter Religiöser Spinner. Nachdem ich dies für mich selbst fest gestellt habe möchte ich nicht länger in der Bar bleiben und beeile mich wieder in die Herberge zu kommen. Leider hat er natürlich das gleiche Ziel und so geht er mir weiterhin auf die nerven bis ein neues Gesicht auftauchte, das er aber schon kannte, und endlich von mir abließ. Mittlerweile wird es hier immer voller und ich begrabe meine Hoffnung eine extra Matte für heute Nacht zu bekommen. Gegen Abend trudelte auch Florian ein was mich allerdings etwas überraschte, weil er sich nicht sicher war, ob er noch weiter wollte. Egal, ich freue mich jedenfalls ein bekanntes Gesicht zu sehen. Später am Abend wird es nochmals kurz spannend den Florian hört in einem Gespräch zwischen Walter und einen jungen Typen namens Armin das dieser schon zum 2ten mal den Jakobsweg läuft. Das wäre ja an und für sich nichts besonderes aber scheinbar läuft er genauso unrund wie sein Kumpel Walter. Und auf die frage hin, wo er den herkomme hätte er wirklich alles sagen dürfen aber niemals nicht die Wahrheit. Er stammte nämlich aus Österreich, genauer gesagt aus Braunau am Inn.
Das war die Geburtsstunde von "Armin, unserem Pilgerführer" wie ihn Florian ab da nannte. Naja, aber das hätte sich olle Armin aber auch denken können das man eine solche Vorlage nur schwerlich ungenutzt verstreichen lassen kann. Allerdings hat sich Florian richtig darauf aufgehangen und hat ihn laufend damit aufgezogen. Wenn ich an Armins stelle gewesen wäre hätte mir das nicht all zu lange gefallen lassen aber mir kamm es eh fast so vor als würde er den Ulk auf seine kosten nicht ganz verstehen. Zum Glück war dann auch schon bald Schlafenszeit sodas diese mittlerweile schon etwas nervende Witzeleien nach einem geschmetterten "Gute Nacht, mein Führer" ihr ende fanden.
Übrigens sind noch bis weit nach Mitternacht noch versprengte Pilger eingetrudelt und am nächsten Morgen war der ganze Fußboden übersät mit schlafenden Menschen.

An diesem Tag gelaufen 36,3 km
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Dienstag, 23. Dezember 2014, 10:22

10. September , Vilaserío

Ich habe diese Nacht extrem schlecht geschlafen. Wie ich schon befürchtet habe war es kalt und hart auf dieser Matte aber zu meinem erstaunen bin ich heute Morgen ziemlich gut gelaunt. Florian und ich beschließen den Tag über gemeinsam zu laufen und verlassen die Herberge im Morgengrauen. Wie ich es befürchtete hat er sich standesgemäß von seinem Führer verabschiedet. Mir scheint es fast so als würde er es darauf anlegen eins aufs Maul zu bekommen aber Armin tut so als wäre er nicht angesprochen worden ( oder versteht er es wirklich nicht ? ). Jedenfalls sind wir heute Morgen gut unterwegs und das laufen macht wieder richtig Spaß. Während die Landschaft merkbar immer flacher wird und man das Salz in der Luft schon riechen kann beratschlagen wir wie wir uns die restliche Strecke einteilen sollen. Zur Auswahl steht entweder die letzten 53,7 km durchlaufen oder noch einmal eine Nacht in einer Herberge zu verbringen. Das Problem ist nur das die nächste Herberge "nur" 21 km entfernt ist und die darauflegende 44 km. Das erste ist uns zu nah und die zweite zu weit um gleich durch zu marschieren. Nach langem hin und her überlegen beschließen wir heute nach den 21 km Feierabend zu machen den wir wollen es ja nicht übertreiben.
Nachdem wir heute früh schon so zeitig aufgebrochen sind und es ja nicht all zu weit war kommen wir schon kurz nach Mittag dort an. Leider öffnet die Herberge erst ab 15 Uhr so das der Entschluss schnell gefallen ist die Wartezeit in der hiesigen Bar zu überbrücken. Nachdem wir uns einige hinter die binde gekippt haben öffnete die Herberge endlich. Nachdem einchecken überlegte ich mir was ich mit dem restlichen Tag anfangen sollte. Zum Duschen oder gar für die Wäsche hatte ich keine Lust und so zogen wir beide wieder in die Bar. Während wir uns an der Theke langsam aber bestimmt voll laufen lassen bemerkte ich das mich eine hübsche Asiatin beobachtete.
Nachdem mir das gewahr wurde lies ich Florian an der Theke stehen und setzte mich zu ihr und ihrer Freundin an den Tisch, wild entschlossen ihr ein Gespräch aufzudrängen. Leider weiß ich im Nachhinein nicht mehr all zu viel davon aber ich erinnere mich das wir uns sehr gut unterhalten haben.
Ok Ok ich weis nicht mehr ob wir uns gut unterhalten haben aber zumindest hatte ich meinen Spaß.
Leider verließen sie mich am frühen Abend um schlafen zu gehen und so musste ich wieder an die Theke zu Florian der aber gerade mit der " Pilgerfreundin " von dem Typen aus Niederbayern sprach. Scheinbar wurde sie von ihm durch eine hübschere ersetzt und sucht jetzt jemanden bei dem sie sich auskotzen kann. Ich bin nur froh das Florian das ist den sie hat so eine komische Art mit der ich nicht klarkomme. Aber da sie fast direkt neben mir am Tresen stehen bekomme ich beinahe jedes Wort mit ohne involviert zu sein und Interesse heucheln zu müssen. Eigentlich ist es ziemlich gemein aber so habe ich wenigstens meine Unterhaltung während ich trinke. Irgendwann am frühen Abend betritt der eine Typ aus Irland mit 2 Landsfrauen die Bar und ich setze mich zu ihnen, weil sich das Geheule an der Theke mittlerweile im Kreise dreht. Wir unterhalten uns ziemlich ausführlich über unsere bisherigen Erfahrungen auf dem Camino und was wir nicht alles gesehen und erlebt haben. Nachdem es mittlerweile schon ziemlich spät geworden ist und wir alle ziemlich abgefüllt sind beschließen wir uns in die Koje zu legen. Auf dem Weg zur Unterkunft bemerke ich das Florian weit über das Limit getrunken hat und das ihm die Tussi so aufgestachelt hat das er jetzt ein ernstes Wort mit ihren Exfreund wechseln möchte. Ich kann ihn nur mit mühe davon überzeugen das es seiner Gesundheit abträglich wäre sich in diesem zustand mit dem Woidla an zu legen.
Nach einer halbe stunde des beschwören gelingt es mir endlich es ihm aus zu reden.

An diesem Tag gelaufen 21 km

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30

Dienstag, 23. Dezember 2014, 10:26

11. September , Olveiroa

Es dämmert bereits als ich heute Morgen aufwache aber das ist mir egal. Florian ist bereits weg und auch das ist mir egal. Heute ist der Tag an dem ich ankommen muss, der Tag an dem ich ankommen werde. Ich bin froh das ich mittlerweile ziemlich allein in der Unterkunft bin, so kann ich zum letzten mal all die vielen Kleinigkeiten des Morgens zelebrieren. Trotzdem liegt mein heutiger Aufbruch noch durchaus im rahmen. Es kann maximal 6 Uhr sein als ich loslaufe und nur ne knappe Std. später fällt mir ein das ich unbedingt aufs Klo muss und auch das freut mich.... zum letzten mal irgendwo eine (wahrlich) öffentliche Toilette suchen. Tja, es sind eben die Kleinigkeiten die das Pilgerherz erfreuen. Nichts desto trotz ist es ein herrlicher morgen und verspricht ein herrlicher Tag zu werden .
Beim Anblick der Landschaft die sich sprichwörtlich wie ein offenes Buch unter mir ausbreitet bin ich froh das ich noch diese Extrastrecke in angriff genommen habe. Hier erlebe ich das was ich auf den letzten km des eigentlichen Caminos vermisst habe, nämlich totale Abgeschiedenheit.
Schon merkwürdig wie sich die Landschaft wieder verwandelt... von der Maesta nach Galicien war ja schon krass aber von diesem Galicischem Hochland zur Küste runter ist es noch extremer... so als würde man aus dem Bayrischen Wald an nur einem Tag an die Ostseeküste kommen. Genauso schnell wechselt die Vegetation hier. Ist ja eigentlich auch nicht weiter schlimm aber so überraschend wie das vonstatten geht doch recht bemerkenswert. Gegen 9 Uhr erreiche ich die Kreuzung an der ich mich entscheiden muss, wohin mich mein weg führen soll. Ich kann von hier aus nach Osten laufen zum Heiligtum von Muxia oder nach Westen ans Kap. Die Entscheidung fällt mir nicht schwer ... ich will ans Kap, obwohl der Umweg über Muxia nur einen weiteren Tag bedeuten würde will ich zuerst an diese bedeutende Pilgerstelle und evtl. am nächsten Tag weiter dahin. Aber zuerst der Ort der von je her das inoffizielle Ende vieler Pilgerreisen war ... : Finisterre, das Ende der Welt.
Kurz nachdem ich die Abzweigung hinter mir habe passiere ich eine Bar auf deren Terrasse ich den Typen aus Niederbayern erkenne während er mit seiner Clique ein spätes Frühstück zu sich nimmt. Man lädt mich durch lautes zurufen ein doch auch ein wenig hier zu verweilen was ich aber rigoros ablehne. Zwar ist es noch früh am Tage doch ist die Strecke heute nicht zu verachten. So lasse ich die einzige Bar auf dem weg hinter mir und eile weiter voran nur von dem einem Gedanken beseelt heute noch das Meer zu sehen. Kurz nachdem ich die Bar hinter mir gelassen habe erreiche ich eine Hochofenfabrik deren Kamine leider nicht ganz so hoch sind wie ich es mir wünschen würde, so das ich ein bis zwei km im dichten Smok der Fabrik laufen muss. Zum Glück ist der Qualm geruchlos aber nichts desto trotz bin ich mir sicher das so etwas bei uns verboten wäre, den stellenweise kann ich nicht mehr die Hand vor Augen sehen.
Nachdem ich diese industrielle Perversion hinter mir gelassen habe blüht die Landschaft so richtig auf. Eigentlich machen mich ja nur nackte, schöne Frauenkörper spitz aber ein blick in diese fast völlig unberührte Landschaft ist fast genauso erregend und, was das beste ist ... ich hab sie tatsächlich, soweit mein Auge reicht alleine. Niemand hinter mir, niemand vor mir und nur der leichte Geruch des Meeres begleiten mich bis zur Mittagsstunde. Mein Reiseführer besteht darauf das ich beim Kilometerstein 22,509 zum ersten mal das Meer erblicke. Ich muss zwar ganz gewaltig meine Phantasie anstrengen aber doch, das könnte das Meer sein. Von hier aus geht es leider recht unvermittelt hinunter auf Meereshöhe, man könnte fast wieder von einem Kulturschock sprechen. Aber das wusste ich ja schon vorher dennoch bin ich doch überrascht als ich mich plötzlich auf Augenhöhe mit dem Meer wieder fand. Von dieser stelle aus sind es nur noch knappe 10 km bis zur Ortschaft Fisterra und so ziehe ich nach einem kurzen Aufenthalt in einer Tapas Bar weiter. Die letzten Meter zerrinnen unter mir und ich erreiche ich am frühen Nachmittag den Strand Fisterra und genau dieses Stückchen Strand an dem ich vorbeilaufe ist völlig abgeschieden und so entscheide ich nach dem einchecken genau hier hin zurück zu kehren. Nachdem ich 3 oder 4 km dem Strand gefolgt bin stoße ich auf eine Gruppe von denen einer ein Hemd trägt auf dem die Deutsche Flagge abgebildet ist. Ich sehe das und gehe natürlich davon aus das es sich um Deutsche handelt und frage:" Wo bekomme ich hier die Urkunde" und bekomme zur Antwort : " in Santiago " .
Ich schwöre, wenn ich in diesem Augenblick ne Schusswaffe gehabt hätte, würde ich noch die nächsten 15 Jahre in Spanien verbringen. Allerdings in einer Zelle.
Aber so weißte man mir den weg zur Herberge in der ich meine Urkunde für die erfolgreiche Pilgerschaft nach Fisterra bekomme. Nachdem mir dort ein Bett zugewiesen wurde und ich mich selbst und meine Klamotten gewaschen hatte zog ich nochmals los um diesen verlassenen Strand ( der mir beim hin laufen aufgefallen ist ) auf zu suchen. Herrlich, der Strand ist so abgeschieden das sich eigentlich nur Fußgänger hier hin verirren. Man mag es kaum glauben aber dieses Wunderschöne Fleckchen Erde teile ich mir mit nur 4 weiteren Menschen.
Nach einer Stunde des herumtollen im Atlantik wird es dann doch etwas kühl und ich beschließe vorläufig in die Herberge zurück zu kehren.
Nachdem ich mir dort das Salz des Meeres von meinem trostlosen Körper gewaschen hatte beschloss ich etwas essen zu gehen, bevor ich das traditionelle und rituelle Ende meiner Pilgerreise zelebriere.
Es ist nämlich brauch nach Abschluss der Pilgerreise ans Kap zu laufen und dort den Sonnenuntergang zu beobachten.
Zum Glück war die örtliche Spelunke nicht weit entfernt Sodas ich nicht lange suchen musste.
Während ich mir in der Kneipe gemütlich ein Bierchen genehmigte und einen unvermeidlichen Hamburgeros bestellte sah ich wie ein mir bekanntes Gesicht am Fenster vorbei lief. Die Sabrina war's die mir schon vor 5 tagen aufgefallen ist. Damals hab ich sie kurz kennen gelernt wie sie etwas lahm über die galicischen Berge gewandert ist.
Nachdem ich sie mich ebenfalls erblickte winkte ich sie und ihre Begleitung herbei und schwatze ihnen etwas zu trinken auf. Sie erzählte mir das sie es gerade eben so nach Santiago geschafft hatte aber die Strecke hier her mit dem Bus gefahren ist und das sie auf dieser fahrt ihren derzeitigen Begleiter kennen gelernt hat. Das macht aber nichts ... ein blick auf ihren Gefährten und wir sind sofort beste Freunde ( meinem Onkelz T-Shirt sei dank ). Sabrina wollte vor dem großen Finale noch Duschen gehen und hat uns allein gelassen, und obwohl ich den Typen noch nicht kannte hatten wir doch sehr viel Spaß. Denn wie ich es schon vermutet habe kommt er aus München und ist genauso ein Working Class Hero wie ich. Ist schön einen gleichgestellten zu treffen den die ganzen studierten die man auf dem weg vermehrt antrifft gingen mir schon etwas auf die nerven. Während wir uns so unterhielten machte ich mich wieder daran meinen Provisorischen Fahnenmast zusammen zu bauen den ich wollte die meine allerletzten Meter wieder unter unseren schönen Weiß-Blauen Flagge laufen. Der Münchner war ganz hin und weg als er sie sah. Nachdem Sabrina wieder auftauchte beschlossen wir dieses letzte Stück gemeinsam zu laufen. Hier mal ein Bild von dieser Strecke... übrigens das letzte das mich als aktiven Pilger zeigt:

Bild siehe unten

Nach nur 3,5 km ist es dann so weit. Wir erreichen rechtzeitig den Leuchtturm am Kap und jeder sucht sich einen Platz um das Schauspiel zu beobachten. Und genau jetzt und hier erlebe ich das was ich in Santiago vergeblich gesucht habe. An dieser stelle unter all den Leuten um mich herum finde ich die Ruhe und Einkehr die ich vor 3 Tagen vergeblich gesucht habe. Ich weiß nicht, ob es an diesem traditionsreichen Ort liegt oder einfach an dem bewusst erlebten Sonnenuntergang aber hier finde ich einen würdigen Abschluss meiner Reise und ich spüre das es meinen Brüdern und Schwestern um mich herum genauso ergeht.
Hier einmal ein Photo das kurz vor diesem ergreifenden Augenblick aufgenommen wurde.

Bild siehe unten

Ein Bayer mit seiner karierten Tischdecke beim Sonnenuntergang. Phänomenal. Einen dank nochmals an die unbekannte Spanierin die das Bild gemacht hat.
Nachdem es mittlerweile bereits dunkel geworden ist begaben wir 3 uns zurück in den Ort um den Abend dort ausklingen zu lassen. Nachdem wir in der Bar noch ein paar Getränke zu uns genommen haben und unseren Camino noch einmal Revue passieren ließen war es dann allerdings auch schon an der Zeit gute Nacht und Lebewohl zu sagen. Für mich geht es morgen zurück nach Deutschland und die 2 wollen noch einen Tag am Meer verbringen.

An diesem Tag gelaufen 35,2 km
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Dienstag, 23. Dezember 2014, 10:28

12. September , Fisterra

Da der Bus erst um 11 Uhr kommt habe ich heute Gelegenheit lange auszuschlafen. Allerdings treibt mich mein Rhythmus bereits um 7 Uhr aus dem Bett. Die Nacht über hatte ich mit dem Gedanken gespielt noch einen Tag hier zu bleiben aber heute Morgen ist es kalt und neblig und so entscheide ich mich endgültig mich auf dem Heimweg zu begeben. Während ich mir an der Haltestelle die Beine in den Bauch stehe überlege ich wie es jetzt weiter gehen soll. Im Gegensatz zu jeden anderen Pilger den ich bisher getroffen habe weiß ich noch nicht wie ich nach Hause kommen soll. Zwar hätte ich das schon vor meinem Aufbruch aus Deutschland organisieren können aber ich wusste ja nicht, ob ich die Strecke überhaupt durchhalte und habe es deshalb unterlassen.
Im stillen hoffe ich das ich am Flughafen einen günstigen Last Minute Flug bekomme aber auch die Optionen mit dem Bus oder Zug erwäge ich , wobei mir das fliegen schon am liebsten wäre.
Nach endlosen 3 Stunden in der Kälte kommt endlich der Bus und nach verladen des Gepäcks bewege ich mich zum ersten mal seit 4 Wochen ohne selbst laufen zu müssen. Es ist ein sehr seltsames Gefühl die Landschaft so schnell an mir vorüber fliegen zu sehen.
Nach nur 3 Stunden Fahrt erreichen wir die Stadt die ich vor 4 Tagen zu Fuß verlassen habe. Nachdem sich alle anderen aus meinem Bus zerstreut haben beginne ich den Busbahnhof zu erforschen an dem wir abgesetzt wurden.
Die Schalterhalle ist sehr unübersichtlich aufgebaut und erst nach einer Stunde gelingt es mir den richtigen Schalter zu finden an dem man Fahrkarten für den Flughafen bekommt. Nach einer weiteren halbstündigen Fahrt komme ich endlich am Airport an. Voller Zuversicht noch heute nach Hause zu kommen betrete ich den Terminal und verschaffe mir einen ersten Überblick bei dem sich herausstellt das es hier nur 3 Fluggesellschaften gibt. Meine erste( und hoffnungsvollste) Airline ist Air Berlin an deren Schalter ich mich sofort anstelle. Nachdem ich nach einer kurzen Wartezeit an der Reihe bin werde ich positiv überrascht da die gute Frau hinter dem Tresen ein perfektes Deutsch spricht und ich mich nicht mit meinem Grundschulenglisch zum Affen machen muss.
Auf ihre frage, wann und wohin ich den möchte antwortete ich : Noch heute nach Nürnberg oder München.
Sie überprüfte darauf hin im Computer eine möglich Verbindung für mich und fand auch umgehend eine. Im Direktflug nach Nürnberg um 19 Uhr wären noch Plätze frei. Allerdings auf meine frage was es den kosten würde wäre ich fast kollabiert. Für den einfachen Flug wollte sie ein wenig über 450€. Nachdem ich darüber aufgeklärt wurde, warum das so teuer ist versuchte ich mein Glück am nächsten Schalter in der Hoffnung das es billiger werden würde. Die nette Dame von Ryan Air sagte mir aber das sie auf die nächsten 2 tage ausgebucht ist und es dann auch so um die 500 € kosten würde. Da ich jetzt die beiden Billigfluglinien schon abgeklappert hatte versuchte ich es noch halbherzig bei Iberia, die zwar noch heute nach Deutschland fliegen würden, aber die stolze summe von 1100€ dafür haben möchten.
Ich hatte wirklich die Absicht nach Hause zu fliegen aber nachdem ich diese deprimierenden Preise gehört hatte beschloss ich mich nach einer günstigeren alternative um zu sehen .
Also bin ich raus aus dem Flughafen und rein ins Taxi. Nach einer kurzen aber schnellen fahrt kam ich wieder am Busbahnhof von Santiago an. Zum Glück hatte ich mittlerweile schon
den Überblick und deshalb wusste ich, wo der Schalter für den grenzüberschreitenden verkehr war. Die gute Frau am Schalter teilte mir in einem räudigen Englisch mit das der nächste Bus nach Deutschland erst am 14. September um 10 Uhr morgens gehen würde aber es nur noch 5 freie Reservierungen geben würde. Als sie mich fragte, wohin ich den in Deutschland wollte war ich allerdings etwas aufgeschmissen. Nuja, was heißt aufgeschmissen... die Frau am Schalter lass mir einige Städte vor, wo den der Bus halten würde und ich Narr habe bei Frankfurt am Main Stop gesagt.
Zu meiner Entlastung muss ich gestehen das ich dachte das nur 1 Bus nach Deutschland gehen würde, aber derweil waren es 4.
Wie auch immer sie knöpfte mir für die fahrt nach Frankfurt 160 € ab . Allerdings war die abfahrt erst in 2 Tagen. Da ich jetzt nichts mehr im Busbahnhof verloren hatte Verlies ich denselben um mir eine bleibe für die nächsten 2 Tage zu suchen. Da ich keine Ahnung hatte, wo genau ich mich in Santiago befand beschloss ich von da aus einfach gerade aus in irgend eine Richtung zu laufen und bei der nächst besten Gelegenheit irgendwo zu pennen. Ich spielte mit dem Gedanken in einen Rohbau zu übernachten und hatte schon einem im Blick aber bevor ich den Bauzaun erreichte viel mir nicht weit ein Hotel auf. Eigentlich dachte ich nicht daran in einer solchen Unterkunft zu nächtigen aber die Preise für eine Übernachtung waren sehr günstig, also beschloss ich die letzten 2 Tage in diesen Hotel zu verbringen.

An diesem Tag gelaufen : Nicht der rede wert

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Donnerstag, 25. Dezember 2014, 13:51

13. September , Santiago de Compostela

Ich wache heute Morgen ohne Druck auf. Die Abfahrt nach Hause ist erst morgen früh und so habe ich den ganzen Tag um die Innenstadt von Santiago zu erforschen. Ich bin froh das ich gestern Abend noch dieses Hotel gefunden zu habe. Eigentlich wollte ich ja nicht in so etwas teuren unterkommen aber ich hatte nicht wirklich eine Wahl. Wie auch immer, wenigstens ist das Bett groß und ich habe zum ersten mal seit langen Privatsphäre.
Während ich meinem weg in die Innenstadt suche stelle ich fest, dass das Hotel nur eine Querstraße vom Camino entfernt liegt. Schon ein witziger Zufall wie ich finde, den eigentlich dachte ich, ich wäre fertig mit dem Pilgern und unversehens folge ich wieder dem Jakobsweg in Richtung Kathedrale. Nur diesmal bin ich kein Pilger mehr, sondern nur noch ein Tourist unter vielen und noch dazu ein Deutscher. Schon ein ziemlich seltsames Gefühl unter meinen Brüdern zu laufen und doch nicht mehr dazu zu gehören. Und verstärkt wird es dadurch das ich zum ersten mal ohne Jutta laufe. Jutta ist übrigens der Name meines Rucksacks dem ich ihm mal im dehydrieren Delirium gegeben habe
Trotz dieser etwas bedrückenden Gedanken verlebte ich einen Wunderschönen Tag in Santiago. Die Atmosphäre, die man dort an jeder stelle wahrnimmt, ist einfach nur mit dem Wort magisch zu beschreiben.

An diesem Tag gelaufen : Vielleicht 3 oder 4 km

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Donnerstag, 25. Dezember 2014, 13:52

14. September , Santiago de Compostela

Heute ist es so weit den der Tag der abfahrt ist gekommen. Eigentlich geht es erst um 10 Uhr los aber ich konnte es einfach nicht mehr im Hotel aushalten und bin bereits um 8 Uhr am Busbahnhof. Während ich mir die Beine in den Bauch stehe und meine obligatorische Frühstücks Cola trinke frage ich mich wie lange wohl die Fahrt mit dem Bus dauern wird. Ich hoffe das es nicht zu lange sein wird und das der Bus nicht voll besetzt ist damit man etwas Platz hat. Während ich mir in meinem Kopf die gedachte Route nach Deutschland betrachte und die Fahrtdauer schätze füllt sich der Busbahnhof zusehends. Scheinbar kann ich den Gedanken von dem leeren Bus zu grabe tragen. Jetzt kommt es darauf an schnell zu sein und den besten Platz zu erwischen.
Plötzlich ist es so weit und es fahren zeitgleich 3 Busse in den Bahnhof ein. In der momentanen Verwirrung gelingt es mir als einer der ersten den richtigen Bus zu finden sodas ich mir den vermeintlich besten Platz sichern konnte nämlich ganz hinten links. Während sich der Bus langsam füllt und ich mir zu meinem Geniestreich selbst gratuliere sehe ich wie ein mir bekanntes Pärchen ihr Gepäck im Laderaum verstaut. Ich kenne sie eigentlich nur vom sehen und weiss nur das er Jean-Claude heißt und das sie aus einem der Benelux Ländern kommen und mit ihrem Baby unterwegs sind. Ich hatte einmal ganz zu Anfang versucht mit ihnen zu reden aber leider sprechen sie kein Englisch und deshalb blieb es nur bei dem Versuch. Mit einem Schlag erkannte ich das die einzigen noch freien Plätze im Bus die neben mir sind und plötzlich löste sich mein vermeintlich guter Platz in Rauch auf als sie sich notgedrungen neben mich setzten. Ich habe jetzt wirklich nichts gegen Kleinkinder aber bei dem Gedanken daran die nächsten 12 stunden neben einem in einen engen Bus zu sitzen wurde mir doch etwas anders.
Natürlich kam es dann auch genauso wie ich es mir vorgestellt hatte den der Kleine war scheinbar zudem etwas erkältet und dementsprechend quengelig.
Zum Glück wurden wir Passagiere auf einem Autobahnrastplatz auf andere Busse aufgeteilt somit ich es nur 6 Std. ertragen musste.

An diesem Tag gelaufen : Ca 200 Meter

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34

Donnerstag, 25. Dezember 2014, 13:54

15. September , irgendwo in Frankreich

Ich sitze jetzt seit vollen 24 Std. in diesem gammeligen Bus und sowie es aussieht habe ich noch ein gutes Stück vor mir. Mir ist stinke langweilig und durch das schlafen im sitzen tut mir der ganze Rücken weh. Zum Glück sind an den verschiedenen Haltestellen entlang des Weges schon einige Passagiere ausgestiegen Sodas man sich etwas ausbreiten kann. Leider hilft das auch nicht mehr viel, weil man schon jeder Position überdrüssig ist.

Sorry, ich kann diese endlosen stunden im Bus nicht näher beschreiben und deshalb lasse ich es auch und setzte mit meinem Bericht erst wieder ein als ich nach 32 Std. Fahrt endlich mein Ziel erreiche : Frankfurt am Main

Zum Glück werden wir direkt am Bahnhof abgesetzt somit sich die frage um eine anschlußverbindung nicht erst stellt. Eine Verbindung nach Schwandorf ist schnell gefunden und ich muss nicht wie befürchtet noch eine Nacht im Transit verbringen. Allerdings muss ich dazu den ICE nutzen um rechtzeitig in Nürnberg zu sein damit ich den letzten Zug nach Schwanzdorf erreiche.
Da ich die Strecke von Nürnberg nach Hause schon in und auswendig kenne und der Zug eh leer ist mache ich eine Kosten/Nutzen Aufstellung meiner gewählten Heimreise im Gegensatz zum Fliegen und stelle fest das ich mir 170 € gespart habe. Hätte ich aber gewusst wie ekelhaft lang und eintönig die Heimfahrt wird wäre ich sofort in den Flieger gesprungen.
Kurz nach Mitternacht komme ich, nachdem ich vor 36 Stunden in Spanien gestartet bin, endlich in Schwandorf an. Eigentlich hätte ich mir die letzten Meter nach Hause ein wenig Glorreicher vorgestellt aber was will man machen? So schleiche ich halt im Dunkeln nach Hause.
Endlich erreiche ich meine Wohnung und ich freue mich auf das was ich schon solange vermisst habe ... mein eigenes Bett. Aber bevor ich mich aufs Ohr haue will ich davor noch auf die Waage.
Du erinnerst dich? Ich habe ja, bevor ich aufgebrochen bin mich und meine Ausrüstung gewogen und will jetzt sehen wie groß der unterschied ist.

Davor Danach

Gesamtgewicht

120 Kilo 108,5 Kilo

Rucksack
14,5 Kilo 10 Kilo

Stefan
100,5 Kilo 94 Kilo

Eigentlich hätte ich mit einer größeren Differenz gerechnet aber ich bin schon froh das es, so viel ist.

An diesem Tag gelaufen : 500 Meter

Gesamtstrecke entlang des Caminos laut Reiseführer : 822,9 km



Fazit

Jeder der sich ein wenig mit dem Jakobsweg beschäftigt kennt den Spruch: Der Weg ist das Ziel!
Als Anfänger der erst frisch startet kann man den tieferen Sinn der dahinter steht noch gar nicht erfassen und selbst wenn man diese endlosen Kilometer hinter sich gebracht hat, hat man nur eine grobe Vorstellung davon was es bedeuten könnte.
Ich bin gestartet als ein etwas dicklicher Unsportlicher Mensch der eigentlich keinen richtigen Grund hatte diesen alten Pilgerweg zu gehen und ich bin zurück gekehrt als ein etwas weniger dicklicher Mensch der keinerlei tiefere Erkenntnisse gewonnen hat. Aber das was ich in der Zeit zwischen Aufbruch und ankommen erlebt und gesehen habe war so unbeschreiblich schön das ich mich außer Stande sehe es auch nur zu beschreiben.
Klar, es macht keinen Spaß jeden Tag stumpfsinnig vor sich hin zu laufen und auch die schmerzenden Füße tragen nicht gerade zum Wohlbefinden bei aber hinter diesen ganzen Widrigkeiten erlebt man Abenteuer, erlebt man Menschen die diese lapidare Anstrengungen mehr als wett machen.
Deshalb stellt sich für mich die frage, ob ich es noch mal machen würde nicht, sondern viel mehr die frage nach dem wann?

Ich möchte diesen Reisebericht mit der leisen Stimme in meinem Kopf beenden die da immer wieder sagt:


Santiago


Santiago


Santiago

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35

Donnerstag, 25. Dezember 2014, 13:59

24. Dezember 2012 ,

Hi Leute.

Ich hoffe ich habe euch mit meinem Reisebericht nicht zu sehr die Zeit gestohlen ;-)
Evtl ist es mir sogar gelungen euch etwas zu unterhalten. Sollte ich das geschafft haben bin ich vollauf zufrieden.
Zu diesen Bericht ist zu sagen das ich ihn kurz nach meiner Ankunft daheim im Vollsuff geschrieben habe. Allerdings war es nicht nur ein Rausch und ein Abend an dem ich ihn geschrieben habe sondern ihr könnt davon ausgehen das jeder Tag im Bericht ein eigenständiger Kapitaler Vollrausch war.
Zu meiner großen Schande muss ich aber gestehen das dass was ihr gelesen habt nicht die Besoffene Urfassung ist sondern die nüchterne Überarbeitung. Ich fand die Urfassung bei weiten besser aber leider habe ich sie nicht mehr. Sie viel der Formatierung meiner HDD zum Opfer. Ich dachte zwar ich hätte beide Versionen gesichert aber dem wahr leider nicht so.
Auch seit ihr nicht die ersten die den Bericht lesen. Ich habe ihn schon an ausgewählte Freunde verschickt ( darunter African ) allerdings seit ihr die ersten die inhaltliche Endfassung lesen.
Ich hoffe es hat euch gefallen den besser bekomme ich es nicht hin. Immerhin arbeite ich schon seit 3 Jahren daran.

Es ist immer noch so das diese leise stimme in meinem Kopf Santiago sagt allerdings ist sie nach diesen 3 Jahren nicht mehr leise . Sie brüllt mich regelrecht jeden Tag aufs neue an. Es ist schwer jeden Tag aufs neue zu Wiederstehen .

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Donnerstag, 25. Dezember 2014, 14:00

ENDE

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Donnerstag, 25. Dezember 2014, 20:44

Danke Pain,

es war mir ein Fest deinen Bericht wieder zu lesen.

Meinen Segen für SANTIAGO hast du.

Einzige Bedingung: Schreib wieder einen detallietren Bericht darüber.

Danke nochmal für die schöne Zeit, bei Pfeifchen und Bierchen und natürlich deinem Bericht.

Gruß African


PS: Respekt für die Leistung und den Durchhalte Willen.

:meinung: :meinung: :meinung:

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Mittwoch, 8. November 2023, 22:21

Weils einfach immer noch mehr als lesenswert ist, hoch damit :)

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:D

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Freitag, 15. Dezember 2023, 18:06

... uuund wieder nach oben...

Was wohl unser alter Pain-Indianer ;) so macht?